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Rat beschließt Einzelhandelskonzept mit Sortimentsliste

Mitteilung vom 07.07.2017 (archivierte Mitteilung)

Ein Einzelhandelskonzept ist im Bereich des Städtebaus und der Raumordnung ein Plankonzept, in dem Planer festlegen, nach welchen Gesichtspunkten Einzelhandel in einem Raum geplant oder angesiedelt werden soll“ - so die Definition des Internetlexikons Wikipedia. Ein solches Einzelhandelskonzept (EHK) hat der Rat der Stadt Tönisvorst jetzt beschlossen - inklusive einer „Tönisvorster Sortimentsliste“.

Wie funktioniert das Ganze? Per Einzelhandelskonzept legt eine Stadt fest, welche Straßenzüge zum „Versorgungszentrum“ gehören. Das hat sie für die beiden Stadtteile St. Tönis und Vorst jeweils mit einem so genannten zentralen Versorgungsbereich getan. Über die Sortimentsliste steuert die Stadt dann noch, wo sich sozusagen welches Sortiment großflächig – sprich mit über 800 Quadratmetern - ansiedeln darf. Die 800 Quadratmeter gehen dabei auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zurück. Heißt konkret: Innerhalb der von der Stadt festgelegten zentralen Versorgungsbereiche darf sich künftig alles großflächig ansiedeln, was in der Tönisvorster Sortimentsliste auftaucht, sprich alles was zentrenrelevant ist. Außerhalb der zentralen Versorgungsbereiche dürfen sich ebenfalls Geschäfte mit diesen Sortimenten ansiedeln – allerdings nicht mit einer Fläche von über 800 Quadratmetern. Kleine Einschränkung: Es sei denn, es wird nachgewiesen, dass die Ansiedlung nicht das Zentrum schwächt. Denn mit der Liste und den ausgewiesenen Zentren will man die gewachsenen Ortskerne in ihrer Funktion erhalten und Subzentren außerhalb vermeiden. Und eine weitere mögliche Einschränkung für Tönisvorst: Auch wenn der Rat das Einzelhandelkonzept so beschlossen hat - die Bezirksregierung hat hier das letzte Wort. Und die hat bereits zu erkennen gegeben, dass man das Zentrenkonzept für St. Tönis mittragen wird – bei Vorst allerdings aufgrund der zu geringen Dimension Bedenken hat.

Konkrete Definition aus dem Einzelhandelskonzept?

Das Zentrenkonzept der Stadt Tönisvorst verfolgt die Zielsetzung,

  • die mittelzentrale Funktion von Tönisvorst zu stärken,
  • die Lebensbedingungen in den Stadtteilen zu verbessern,
  • das städtische Gefüge in Bezug auf den (großflächigen) Einzelhandel zu ordnen,
  • die zentralen Versorgungsbereiche der Stadt Tönisvorst in ihren Funktionen zu erhalten und – sofern möglich – funktional zu stärken,
  • die verbrauchernahe Versorgung zu sichern und zu verbessern.

Wie sieht der zentrale Versorgungsbereich des Hauptzentrums St. Tönis aus?

Der „zentrale Versorgungsbereich St. Tönis“ beginnt im Süden im Bereich der Willicher Straße und endet im Norden im Bereich der Schulstraße. Die östliche Grenze verläuft im Kreuzungsbereich der Krefelder Straße zur Straße Osterheide sowie von hier aus fortführend über die Kurze Straße bis hin zur Einmündung der Benrader Straße. Im Westen bildet der Kreuzungsbereich der Niedertorstraße zur Vorster Straße die Begrenzung.

Damit weist das Hauptzentrum eine Nord-Süd-Ausdehnung von zirka 400 Metern und eine West-Ost-Ausdehnung von zirka 650 Metern auf. Insgesamt sind innerhalb des Hauptzentrums St. Tönis zirka 62 Betriebe des Einzelhandels mit in der Summe rund 6900 Quadratmetern Verkaufsfläche ansässig. Während zirka 3400 Quadratmeter Verkaufsfläche dem kurzfristigen Bedarf zuzurechnen sind – wie Nahrungs- und Genussmittel -, entfallen auf Einzelhandelsbetriebe des mittelfristigen Bedarfs – wie Waschmittel oder Parfümerie-Artikel - zirka 2400 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie den langfristigen Bedarf – Textilien, Schuhe oder Telekommunikationsendgeräte - rund 750 Quadratmeter. Auf Anbieter mit sonstigen Sortimenten entfallen rund 350 Quadratmeter. Das Hauptzentrum verfügt über einen größeren Leitbetrieb im Einzelhandel. Zentrenrelevante Waren mit Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern dürfen künftig prinzipiell nur noch in diesem Bereich angesiedelt werden – es sei denn es wird nachgewiesen, dass der zentrale Versorgungsbereich nicht geschädigt wird in seiner Funktion.

Räumliche Ausdehnung des zentralen Versorgungsbereichs des Nahversorgungszentrums Vorst

Der zentrale Versorgungsbereich in Vorst beginnt im Süden im Bereich der Hauptstraße und endet im Norden im Bereich der Kirche St. Godehard. Die östliche Grenze verläuft entlang der Lindenallee zwischen Hauptstraße und Steinpfad und im Westen bildet der Verlauf der Kuhstraße die Begrenzung des Nahversorgungszentrums.

Damit hat das Nahversorgungszentrum Vorst eine Nord-Süd-Ausdehnung von zirka 300 Metern und eine West-Ost-Ausdehnung von zirka 200 Metern mit rund 310 Quadratmeter Verkaufsfläche. Davon entfallen 220 Quadratmeter auf den kurzfristigen und zirka 90 Quadratmeter auf den mittelfristigen Bedarf. Einzelhandelsangebote des langfristigen Bedarfs sind im zentralen Versorgungsbereich Vorst nicht vorhanden. Innerhalb des zentralen Versorgungsbereichs des Nahversorgungszentrum Vorst sind insgesamt rund 29 Dienstleistungsbetriebe, die nicht zum Einzelhandel zu zählen sind, ansässig. Wie in St. Tönis auch hier: Geschäfte mit über 800 Quadratmetern und mit zentrenrelevanten Produkten aus dem Tönisvorster Sortimentsliste dürfen in Vorst künftig prinzipiell nur noch hier angesiedelt werden – es sei denn, es wird nachgewiesen, dass dem Zentrum dadurch kein Schaden zugefügt wird. Ob das Nahversorgungskonzept für Vorst zum Tragen kommen wird, ist allerdings ungewiss. So hat die Bezirksregierung, wie eingangs ausgeführt, Bedenken aufgrund der zu geringen Dimension. Ausgehend von der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster aus dem Jahr 2012 wird festgestellt, dass auch ein durch ein Einzelhandelskonzept ausgewiesener zentraler Versorgungsbereich ein gewisses Gewicht an Einzelhandel aufweisen muss. 2012 wurde ein zentraler Versorgungsbereich mit einer Verkaufsfläche von rund 615 Quadratmetern verneint. Der zentrale Versorgungsbereich Vorst weist insgesamt eine Verkaufsfläche von 305 Quadratmetern aus.

Die „Tönisvorster Liste“: Nahversorgungsrelevante Sortimente:

Die nachfolgend aufgeführten Sortimente beziehungsweise Warengruppen sind in Tönisvorst nahversorgungsrelevant. Alle nahversorgungsrelevanten Sortimente sind auch zentrenrelevant. Dazu zählen

  • Apothekenartikel, Drogerie-, Parfümerie-, Kosmetikartikel
  • Lebensmittel, Getränke, Nahrungs- und Genussmittel
  • Zeitungen, Zeitschriften

Die „Tönisvorster Liste“: Zentrenrelevante Sortimente

Zusätzlich zu den angeführten nahversorgungsrelevanten Sortimenten sind folgende Sortimente bzw. Warengruppen in Tönisvorst zentrenrelevant:

  • Baby- und Kinderartikel, Kinderwagen
  • Bekleidung, Wäsche, Meterware, Handarbeitsartikel
  • Briefmarken und Münzen, Bücher
  • Büromaschinen, Computer und –zubehör
  • Fahrräder und –zubehör
  • Geschenkartikel
  • Glas, Porzellan, Kleinkeramik
  • Hausrat (ohne Möbel, Campingartikel), Haushaltswaren
  • Jagdbedarf, Waffen
  • Kunst, Kunstgegenstände
  • Papier-, Büro-, Schreibwaren,
  • PC und Zubehör (Hard-, -Software)
  • Photoartikel, Augenoptik, Akustik
  • Radio, TV, Elektrokleingeräte, Lampen
  • Sanitätsartikel
  • Schnittblumen
  • Schuhe, Lederwaren,
  • Spielwaren, Hobbybedarf, Musikinstrumente
  • Sportartikel (ohne Großgeräte)
  • Teppiche, (ohne Teppichboden), Heimtextilien, Bettwaren (ohne Matratzen), Haus-, Tisch-, Bettwäsche
  • Uhren, Schmuck
  • Unterhaltungselektronik (Video-, DVD-Geräte, CDs, Tonträger etc.), Telefone

Wer in das Einzelhandelsgutachten im Detail einsehen möchte: Das ist im Ratsinformationssystem der Stadt öffentlich hinterlegt unter TOP 13 der Ratssitzung vom 29. Juni 2017.

 

Text: (cp)

 

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